Der Logarithmus

Dieser Beitrag ist Teil 6 von 7 in der Reihe 2.5 Exponentialfunktionen

Das Potenzieren hat im Gegensatz zu den Grundrechenarten Addieren und Multiplizieren zwei Umkehrrechenarten.

 Der Grund dafür ist, dass die beiden „Partner“ Basis aa und Exponent bb bei einer Potenz ab=ca^b =c unterschiedliche Bedeutungen haben.

Um die Basis aa bei gegebenen Werten für Exponent bb und Potenzwert cc zu bestimmen, musst du Radizieren, also die Wurzel ziehen. Ein Beispiel: Aus a3=27a^3=27 erhältst du die Basis mit a=273a=\sqrt[3]{27}, also ist a=3a=3.

Um den Exponenten bb bei gegebenen Werten für Basis aa und Potenzwert cc zu bestimmen, musst du Logarithmieren. Beispiel: Aus 2b=322^b=32 erhältst du bb mit b=log2⁡(32)=5b=\log_2(32)=5, denn 25=322^5=32.

Definition: Der Logarithmus einer positiven reellen Zahl cc zur Basis aa ist der Exponent, mit dem man die Basis potenzieren muss, um die gegebene Zahl zu erhalten.

Ist also b=loga⁡(c)b=\log_a(c), so gilt also ab=ca^b=c.

Beispiele
  • log4(64)=3log_4(64)=3, denn 43=644^3=64
  • log10(10000)=4log_10(10000)=4, denn 104=1000010^4=10000
  • log10(0.1)=−1log_10(0.1)=-1, denn 10−1=11010^{-1}=\frac{1}{10}
  • log4(2)=12log_4(2)=\frac{1}{2}, denn 4−12=4=24^{-\frac{1}{2}}=\sqrt{4}=2
  • loga(1)=0log_a(1)=0, denn a0=1a^0=1
  • loga(a)=1log_a(a)=1, denn a1=aa^1=a
  • loga(an)=nlog_a(a^n)=n, denn an=ana^n=a^n
Logarithmensysteme

Logarithmen können als Basis beliebige positive reelle Zahlen a\neq 1 haben. Einige Basen werden jedoch häufig verwendet.

Der Logarithmus zur Basis 10 heißt dekadischer Logarithmus oder Zehnerlogarithmus. Er wird meistens mit \lg abgekürzt (auf Taschenrechnern kann jedoch auch log auf der Taste stehen wie zum Beispiel beim Casio): \lg(x)=log_{10}(x)

Der Logarithmus zur Basis e heißt natürlicher Logarithmus und wird mit \ln (von logarithmus naturalis) abgekürzt: \ln(x)=log_e(x)

In der Informatik spielt manchmal auch der Logarithmus zur Basis 2 eine Rolle; er heißt binärer Logarithmus oder Zweierlogarithmus und wird geschrieben als lb(x)=log_2(x).

Rechengesetze für Logarithmen

Da Logarithmieren eine Umkehrung des Potenzierens ist, folgen aus Regeln für das Potenzieren bei gleicher Basis entsprechende Regeln für die Logarithmen.

PotenzgesetzLogarithmengesetz
am⋅an=am+na^m\cdot a^n=a^{m+n}loga(x⋅y)=loga(x)+loga(y)log_a(x\cdot y)=log_a(x)+log_a(y)
aman=am−n\frac{a^m}{a^n}=a^{m-n}loga(xy)=loga(x)−loga(y)log_a\left(\frac{x}{y}\right)=log_a(x)-log_a(y)
(am)n=am⋅n\left(a^m\right)^n=a^{m\cdot n}loga(xn)=n⋅loga(x)log_a\left(x^n\right)=n\cdot log_a(x)
amn=amn \sqrt[n]{a^m}=a^{\frac{m}{n}}loga(xn)=1n⋅loga(x)log_a\left( \sqrt[n]{x}\right)=\frac{1}{n}\cdot log_a(x)

Da Potenzieren und Logarithmieren Umkehroperationen voneinander sind, heben sie sich gegenseitig auf. Es gilt also zum Beispiel für den natürlichen Logarithmus: eln(x)=xe^{ln(x)}=x und ln(ex)=xln\left(e^x\right)=x.

Umwandlung von Logarithmensystemen
Viele Taschenrechner kennen nur den dekadischen und den natürlichen Logarithmus, dann ist es notwendig, einen beliebigen Logarithmus mit Hilfe zum Beispiel des natürlichen Logarithmus zu berechnen. Wegen a=eln(a)a=e^{ln(a)} gilt x=aloga(x)=eln⁡(a)⋅loga(x)=eln⁡(x)x=a^{log_a(x)}=e^{\ln(a)\cdot log_a(x)}=e^{\ln(x)} und deshalb:

loga(x)=ln⁡(x)ln⁡(a)log_a(x)=\frac{\ln(x)}{\ln(a)}

Statt des natürlichen Logarithmus kann man genauso gut den Zehnerlogarihmus benutzen. Der Casio kann auch einen Logarithmus zu einer beliebigen Basis berechnen.

Verwendung von Logarithmen

In der Vortaschenrechnerzeit waren die Logarithmen sehr wichtig, weil man mit ihrer Hilfe leichter multiplizieren, dividieren, potenzieren oder radizieren konnte. In alten Formelsammlungen gibt es lange Tabellen mit Logarithmen, und auch Rechenschieber arbeiten mit dem Konzept der Logarithmen.

Heutzutage sind Logarithmen noch wichtig bei der Beschreibung von sehr stark wachsenden Zahlenreihen wie etwa der Schalldruck, der in Dezibel angegeben wird, oder der Richterskala oder dem ph-Wert …

In der Schule brauchen wir die Logarithmen meistens zum Lösen von Exponentialgleichungen. Der natürliche Logarithmus ist weiterhin eine Stammfunktion der Funktion f(x)=\frac{1}{x} (der Reziprokfunktion).

Beispiele für das Lösen von Exponentialgleichungen

Beispiel 1:
Eine Bakterienkultur mit 300 Bakterien vermehrt sich in einer Nährlösung stündlich um 8%8\%. Nach welcher Zeit hat sich die Bakterienzahl verdoppelt?

Für die Wachstumsfunktion ff gilt:

f(t)=300⋅1.08tf(t)=300\cdot 1.08^t

Gesucht ist die Zeit tt, für die f(t)=600f(t)=600 ist. Daher gilt die Gleichung:

300⋅1.08t=600300\cdot 1.08^t=600

oder

1.08t=21.08^t=2

Die gesuchte Zeit ist dann

t=log1.08(2)=ln(2)ln(1.08)≈9.006t=log_{1.08}(2)=\frac{ln(2)}{ln(1.08)}\thickapprox 9.006

Ergebnis:
Die Bakterien haben sich also nach 9 Stunden verdoppelt. Die anfängliche Bakterienzahl spielt übrigens keine Rolle (warum?).

Beispiel 2:
Für Radon 220 gilt die Zerfallsfunktionf(t)=N0⋅e−0.0126⋅t f(t)=N_0\cdot e^{-0.0126\cdot t}. Wie groß ist die Halbwertszeit, d.h. die Zeit, in der die Hälfte aller Atome zerfallen sind?

Gesucht ist die Zeit tt, für die f(t)=N02f(t)=\frac{N_0}{2} ist. Daher gilt die Gleichung:

N0⋅e−0.0126⋅t=N02N_0\cdot e^{-0.0126\cdot t}=\frac{N_0}{2}

oder

e−0.0126⋅t=12e^{-0.0126\cdot t}=\frac{1}{2}

Dann ist

−0.0126⋅t=ln⁡(0.5)-0.0126\cdot t=\ln(0.5)

und

t=ln⁡(0.5)−0.0126≈55.01t=\frac{\ln(0.5)}{-0.0126}\thickapprox 55.01

Ergebnis:
Es dauert 55 Sekunden, bis die Hälfte der Atome Radon 220 zerfallen sind.

2.5 Exponentialfunktionen

e-Funktionen Modellieren von Wachstum

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